Diese Langzeitbelichtung entstand auf der Rheinbrücke Engers-Urmitz zwischen Neuwied und Koblenz.
Das ist eine vielbefahrene Eisenbahnbrücke im Transitverkehr zwischen Deutschland und Frankreich.
Wie immer ging ein intensives Location Scouting bei Tage voraus – einschließlich Fahrplanstudium. Danach hatten wir ab ca. 22 Uhr maximal 15-20 Minuten Zeit zwischen den Zügen für eine Aufnahme – Güterzüge nicht berücksichtigt! Das war knapp. Aber wir waren zu dritt und jeder hatte ein Auge und ein Ohr für Schienen und Signale. Da die Brücke zwischen den Gleisen nach unten offen ist mussten wir zusätzlich aufpassen, wo wir hintreten und nichts verlieren.
Wesentlicher Bestandteil der Choreographie war ein auf ein Stativ montierter per Funk fernsteuerbarer Scheibenwischermotor. An diesem wurden die verschieden Leuchtmittel (Pyros, LEDs, usw.) montiert. Dann wurde mit einem Kreuzlinienlaser die exakte, mittige Position bestimmt und markiert, genauso für das Kamerastativ, da beide bei Zugverkehr schnell zur Seite geschafft werden mußten. Die Choreoprahie bestand aus mehreren Einzelschritten:
- Drehen der Pyro, zweistufig, die inneren weißen Streifen zuerst, danach die äußeren Sparkler
- Drehen der inneren farbigen Lichtelemente
- Beidseitiges Ausleuchten der Brückenkonstruktion mit starken weißen Taschenlampen
- Dezentes Ausleuchten des Gleisbettes mit goldfarbiger Taschenlampe
- Nachbelichten der Szenerie nur mit natürlichen Sternenlicht
Insgesamt waren etwa 7-8 Versuche erforderlich bis das richtige Verhältnis von Drehzahl, -dauer, Belichtung und Timing gefunden war. Jeder Schritt erfordert eine andere Blende und Timing. Zweimal versagte die Pyro. Bei jedem herankommenden Zug mussten wir uns auf die außenliegenden Fußgängerstege verdrücken … Die Pyro war sehr hell, laut und weit zu sehen – Einige der die Brücke passierenden Schiffsbesatzungen mögen sich erschrocken haben, so dass gegen 0200 Uhr die Polizei erschien. Aber da war die finale Aufnahme nach vier Stunden intensiver Arbeit schon im Kasten.
Technik: Sony A7RII mit Adapter LA-EA3 und Minolta MC 58mm F1,2 (modifiziert für A-Mount und gechipped), Belichtungszeit 332 sec, Blende 1,2 – 16 (Manual Aperture Control-Technik), ISO 100, straight out of camera, no Photoshop, no layers, no postprocessing, ausgeleuchtet mit 2x LedLenser M17R und 2x P5R.2 sowie einer modifizierten LedLenser P7 ‘golden amber’.






Oha, ein Wahnsinnsaufwand für ein tolles Foto, das es so kein zweites Mal geben wird. Respekt für euer Knowhow und Courage. Ich wäre für so eine Aktion definitiv zu feige (Stichwort Polizeieinsatz und „Personen auf dem Gleis“).